Von Halle ueber Ehrwald auf die Zugspitze

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Ein Gastartikel von Katrin Heidelberger .

 

Wer, wie wir Hallenser, fern der Alpen wohnt, muss Bergtouren lange im Voraus planen.
Der weiten Anfahrt wegen brauchen wir immer ein paar arbeitsfreie Tage. In einem Jahr, da Pfingsten im Juni lag, reservierten wir die Feiertage für den Aufstieg von Ehrwald übers Gatterl zum Gipfel der Zugspitze. Voller Vorfreude erreichten wir abends das Ehrwalder Quartier, unser Ziel glühte ebenfalls vor Freude.

Alpenglühen an der Zugspitze

Alpenglühen an der Zugspitze

Am nächsten Morgen sah die Bergwelt nicht mehr so freundlich aus, regenschwere Wolken hingen über unserem Wanderweg. Doch geplant – getan, nach einem kräftigen österreichischen Frühstück parkten wir die Autos, schulterten die Rucksäcke und zogen los. Start war die Talstation der Ehrwalder Almbahn, gelegen auf 1100 Meter Höhe. Auf dem zunächst bequemen (mag ich nicht so gern) Weg ging es schnell voran, so leisteten wir uns bereits im Gasthaus Alpenglühen einen großen Milchkaffee. Schon eine Wegstunde weiter rasteten wir an der Hochfeldernalm und krochen danach gezwungenermaßen in die Regenkluft. Mich persönlich störte der Regen weniger als die wolkenverhangene Sicht. Denn so sahen wir nicht die, im Wanderbuch angekündigten Bergweiden und Latschengürtel, auch nicht das schöne Rheintal.

Zeit für die erste Rast im Gasthof Alpenglühen

Zeit für die erste Rast im Gasthof Alpenglühen

Nach dem Gatterl ist die Knorrhütte bald erreicht

Endlich wurde der Weg steiniger, schmaler, alpiner und wir trotzten dem Wetter mit guter Laune. Schon bald war das Feldnerjöchl, dann das Gatterl erreicht und wir passierten die Grenze. Unser Tagesziel, die Knorrhütte, sollte eigentlich nach der nächsten Rechtskurve zu sehen sein, wenn… Nun genieße ich das Auf und Ab über den Plattsteig. Wir trödeln ein wenig bei den verlassenen Hütten der bayerischen Zöllner und erblicken endlich, unterhalb des Brunntalkopfes, die Umrisse der Knorrhütte im Dunstschleier.

 

Zwischenziel Knorrhütte

Relativ zeitig erreichten wir unserem 2052 Meter hoch gelegenes Quartier. In der urigen Knorrhütte knisterte bereits ein wärmendes Feuer, wir sicherten uns Plätze direkt am Ofen und wärmten langsam auf. Glücklicherweise habe wir unser Matratzenlager rechtzeitig reserviert, die rund 100 Schlafplätze erwiesen sich an dem verregneten Tag als sehr begehrt. Der kleine Trockenraum und die elektrischen Schuhtrockner waren voll ausgelastet. Tatsächlich trockneten all die tropfnassen Hosen, Jacken und derben Wanderschuhe in nur einer Nacht.

Am Gatterl

Am Gatterl

Unser Tagesziel: Die Knorrhütte

Unser Tagesziel: Die Knorrhütte

Mit schnarchenden Zimmernachbarn und der klingelnden Handys in Nachbars Bett, verbrachten wir die Nacht und starteten in einen regenfreien Wandertag. Zunächst erwartete uns das „Große Frühstück“, das, wie wir aus Erfahrung wissen, etwas karg ist. Zu dieser Hütte kommen halt kein Lieferwagen und keine Lastenseilbahn mit frischen Nahrungsmitteln, dennoch werden alle Wanderer täglich gut versorgt. Getrost liesen wir einiges Gepäck im Lager, denn wir wollten noch eine Nacht dort verbringen. Bei solchen Touren lernt man einen, gut sitzenden und überlegt gepackten Rucksack zu schätzen.
Direkt hinter der Hütte beginnt der steile, mühselige Anstieg auf das Zugspitzplatt. Wir reihten uns ein, in die Schar der aufwärts Wandernden und brachten das Wegstück hinter uns. Unterhalb der schroffen Felswände, über den Gletscherboden, ab und an durch ein Schneefeld, strebten wir dem Zwischenziel Sonnalpin zu und sehen erfreut: Der Steig zur Zugspitze ist schneefrei und somit gangbar für uns. Bei unserer vorigen Zugspitzwanderung war dieser Aufstieg gesperrt und wir mussten mit einer Bahnfahrt vorliebnehmen. Doch erst einmal kehrten wir im Gletscherrestaurant ein, für mich natürliche ein Milchkaffee, und besuchten dann die höchst gelegene Kirche Deutschlands. Geweiht wurde diese übrigens 1981 von Joseph Ratziger, das Foto davon konnten wir in dem Kirchlein betrachten.

Die am höchsten gelegene Kirche Deutschlands

Die am höchsten gelegene Kirche Deutschlands

Dann forderte der felsige, schotterreiche Steig auf den Wettersteingrat hinauf unsere ganze Aufmerksamkeit und Kraft. Besonders am Anfang rutschten wir mehr als wir stiegen, enge Kurven, drahtseilversicherte Passagen und tolle Aussichten prägen diesen anspruchsvollen Weg.

Der steinige Weg zum Gipfel

Der steinige Weg zum Gipfel

Manchmal geht es nur auf "allen Vieren"

Manchmal geht es nur auf „allen Vieren“

Ich war ziemlich am Ende, aber unbeschreiblich glücklich und stolz, als ich auf der Treppe zum Plateau stand. Jetzt hielt uns kein Restaurant, kein Kaffee und keine Erschöpfung mehr zurück, nur die Massen der Seilbahn-Touristen trennten uns noch von dem Gipfelkreuz. Bis zu dieser kleinen Tür und dem schmalen, schneebedeckten Grat zum Gipfel hatte ich meine Höhenangst im Griff. Nun verlies mich beinahe der Mut, aufmunternde Worte der gleichgesinnten Gipfelstürmer und eiserner Wille begleiteten mich bis an das vergoldete Kreuz auf dem höchsten deutschen Berg.

 

Zum Abschluss ein Stück Kuchen auf der Alm

Nach dem schönen Gipfelwetter des Vortages nahmen wir den erneuten Regen gelassen in Kauf. Heute warfen wir die Einweg-Regencapes über, darunter schwitzt man nicht so wie in den Regenjacken.

Das vergoldete Kreuz der Zugspitze

Das vergoldete Kreuz der Zugspitze

Auf dem verregneten Rückweg nach Ehrwald

Auf dem verregneten Rückweg nach Ehrwald

Zwar begleitete uns der Regen den gesamten Abstieg lang, aber die Sicht war wolkenfrei. Weit unten im grünen Tal lag die Rheintalangerhütte, von wo bereits die ersten Wanderer in der Knorrhütte ankamen, als wir nach Ehrwald aufbrachen. Wir erspähten Gämse, betrachteten die Almwiesen, Hänge und bereiteten uns mit wehmütigen Gedanken auf die lange Heimfahrt vor. Zeit für ein riesiges Kuchenstück beim Wirt der Hochfeldneralm blieb noch zum Abschluss.

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